Leise rieselt der Schnee… oder: Gaslos in Sofia
Guten Morgen allerseits. Jetzt melde ich mich hier geschriebenerweise auch mal wieder. Einen Artikel über das Semester und meine seltenen Reisen wollte ich eigentlich schon lage schreiben, es kommen aber immer wieder ein paar tausen Essays etc. dazwischen… Hoffe, dass ich das demnächst erledigen kann.
Heutiger Anlass für einen Blogeintrag ist das tolle Wetter. Nachdem ich Samstag wieder aus Deutschland zurück war und noch einen Abend Schnee erleben konnte, taute es bis heute leider wieder. Aber seit heute nachmittag ist alles weiß. (Und grau, der Schnee ist ist partiell etwas unrein – aber was soll’s.) Nachteil am Schnee ist, dass er normalerweise zusammen mit etwas niedrigeren Temperaturen auftritt. Die sind hier zwar noch etwas gemäßigt (mir kam zu Ohren, dass es in Deutschland Orte geben soll, in denen bei der Temperaturanzeige nach dem Minus noch zwei Ziffern [vor dem Komma] stehen. Brrr.), treten aber mit einem anderen genialen Fänomen auf: der genialen bulgarischen Gasversorgung. Für die unter euch, die in den letzten Tagen allen Nachrichten fern waren: wir bekommen bekamen Gas ausschließlich durch die Ukraine. Und die Ukraine will uns kein Gas mehr geben. Oder Gazprom. Wäre ja eigentlich auch egal, wenn hier nicht erstens die Häuser miserabel isoliert wären (in meinem Zimmer herrscht dank kleiner Ritzen unterm Fenster immer Windstärke 1,5) und nicht quasi alle (= alle bis auf eine endliche Menge) Haushalte von der schönen Zentralheizung versorgt würden. Und die braucht, um das warme Wasser warm zu machen, oh Wunder, Gas. Und das hat sie (respektive die Organisation, die die Heizung betreibt ;-) ) nicht mehr. Das heisst, es gibt in den meisten Haushalten nicht mehr wirklich Heizwärme. Wir wohnen hier glücklicherweise im Zentrum, da reicht es noch für ein kleines Zimmerchen. Aber meine Leidensgenossen in Studentski Grad – dem Stadtteil der Studenten – stehen teilweise komplett ohne Heizung da. Gut, dass es für solche Fälle elektrische Heizlüfter gibt. Ich nenne seit Sonntag einen mein Eigen (Zimmertemperatur jetzt: 18 statt 10 Grad! Yeah!). Leider bin ich damit nicht der einzige. Ich befüchte, ich besitze weniger als ein Fünfhunderttausendstel aller Heizlüfter in Sofia. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass das Stromnetz so viele Kunden nicht mag. Gestern abend und eben hat es sich schon für so je 10-20 min verabschiedet – mal schaun, was noch auf mich zukommt, wenn die Zentralheizung komplett abgeschaltet wird. Naja, wenigstens besteht die Möglichkeit, innerhalb von etwa einem Monat den abgeschalteten Reaktor eines Kernkraftwerkes wieder anzuschmeißen und so für etwas mehr Saft zu sorgen. Soll heißen: der Eisblock um mich herum wird dann wohl bis zu meinem Flugdatum wieder abgetaut sein. Ich mag Bulgarien :-) Naja, vielleicht manifestiert sich hier ja spontan eine neue Pipeline, eine alternative Energiequelle, Sommer oder ein Kompromiss zwischen Ukraine und Russland. Klingt alles ähnlich wahrscheinlich. Bin gespannt, wie’s weitergeht. Und habe genug Pullover und Wolldecken hier.
Posted: January 8th, 2009 under Abroad, Bulgaria.